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Modul 3 | Lektion 1: Orthopädische & neurologische Tests

Zunächst wollen wir herausfinden, was deine Schmerzauslöser sind. Du wirst jetzt einige orthopädische und neurologische, sowie Kraft- und Beweglichkeitstests durchlaufen.

ACHTUNG: Bei diesen Tests können Schmerzen auftreten. Das ist auch beabsichtigt. Nur so können wir herausfinden, welche Bewegungen deine Schmerzen triggern, um später darauf basierend deinen individuellen Lösungsplan zu erstellen. GANZ WICHTIG: Gehe deshalb sanft und behutsam vor!

Orthopädische Tests

>>> HIER gibt’s das Testblatt für die orthopädischen Tests zum DOWNLOADEN, AUSDRUCKEN und MITSCHREIBEN! <<<

Test 1: Heel Drop Test

Ausführung: Du startest diesen Test aufrecht in hüftbreitem Stand. Nun hebst du die Fersen und drückst du dich auf den Fußballen, als ob du dich auf die Zehenspitzen stellen möchtest. Anschließend senkst du beide Fersen so schnell und hart wie möglich wieder zum Boden ab. Versuche regelrecht mit den Fersen abrupt auf den Boden “zu knallen”. Wiederhole den Vorgang 5 – 10 mal. 

INFO: Du darfst dich dabei ggf. leicht festhalten. Wenn bei dir Probleme auftreten, dann probiere den Test nochmal mit angespanntem Bauch.  Wenn mit Bauchspannung besser, dann könnte das eine Strategie für die Verbesserung deiner Schmerzen sein.

Test 2: Kompressionstest

Ausführung: Setze dich zu Beginn des Tests mit aufrechtem, aber entspanntem Rücken auf eine Bank, oder einen Stuhl, der Blick ist geradeaus gerichtet. Greife mit beiden Händen unter die Sitzfläche. Nun ziehst du dich mit beiden Händen an der Sitzfläche nach unten, sozusagen “in die Sitzgelegenheit hinein”. Behalte dabei die Ausgangsposition der Wirbelsäule bei.

INFO: Du kannst häufig Beschwerden beeinflussen, wenn du deine Rücken- und/oder Kopfposition änderst. Führe diesen Test also in verschiedenen Positionen durch.

Im Folgenden habe ich verschiedene Testvarianten aufgelistet. Diese kannst du ausführen, umherauszufinden, wie du diesen Test für dich positiv beeinflussen kannst.

Testvarianten:

2.1 Kompressionstest im Sitzen mit geradem Rücken + Kopf einrollen

2.2 Kompressionstest im Sitzen mit geradem Rücken + Kopf in den Nacken

2.3 Kompressionstest im Sitzen mit rundem Rücken + Blick geradeaus

2.4 Kompressionstest im Sitzen mit rundem Rücken + Kopf einrollen

2.5 Kompressionstest im Sitzen mit rundem Rücken + Kopf in den Nacken

2.6 Kompressionstest im Sitzen mit Rücken ins Hohlkreuz überstreckt + Blick geradeaus

2.7 Kompressionstest im Sitzen mit Rücken ins Hohlkreuz überstreckt + Kopf einrollen

2.8 Kompressionstest im Sitzen mit Rücken ins Hohlkreuz überstreckt + Kopf in den Nacken

Test 3: Extensionstest im Stand

Ausführung: Starte diesen Test im aufrechten und hüftbreiten Stand. Nun streckst du deinen Rücken nach hinten oben über, als ob du dich zurücklehnen willst.

INFO: Wenn bei dir Probleme auftreten, dann probiere den Test nochmal mit angespanntem Bauch.

Im Folgenden habe ich verschiedene Testvarianten aufgelistet. Diese kannst du ausführen, umherauszufinden, wie du diesen Test für dich positiv beeinflussen kannst.

Testvarianten:

3.1 Extension im Stand + Drehung re/li

3.2 Bein gestreckt heben in Bauchlage re/li

Test 4: Scherkrafttest

(*Für diesen Test benötigst du ein kleines bis mittleres Gewicht von 2 kg und mehr, wie z.B. eine große, volle Wasserflasche. Vielleicht auch zwei!)

Ausführung: Nimm dein Zusatzgewicht (Wasserflasche(n)) in die Hand. Starte den Test im aufrechten, schulterbreiten Stand. Nun streckst du deine Arme vor dem Oberkörper aus und versuchst für kurze Zeit das Gewicht vorne zu halten.

INFO: Das Testergebnis ist positiv, wenn es bei der Ausführung zu auftretenden Schmerzen kommt, oder diese durch den Test verstärkt werden. Wenn bei dir Probleme auftreten, dann probiere den Test nochmal mit angespanntem Bauch und bewerte, ob sich der Test positiv verändern lässt.

Testvarianten:

4.1 Scherkrafttest vornüber gebeugt (Gewicht vor den Oberkörper mit gestreckten Armen halten)

4.2 Scherkrafttest mit überstrecktem Rücken (Gewicht vor den Oberkörper mit gestreckten Armen halten) 

Neurologische Tests

>>> HIER gibt’s das Testblatt für die neurologischen Tests zum DOWNLOADEN, AUSDRUCKEN und MITSCHREIBEN! <<<

Mit den neurologischen Tests wollen wir vor allem zwei Dinge feststellen und unterscheiden:

  1. Liegen Radikulopathien vor? (z.B. Kribbel-Einschlafgefühl, Taubheit, Lähmung, Kraftverlust, Inkontinenz), d.h. etwas drückt auf den Nerv und das verhindert eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Nervenzelle. Das wiederum behindert die Signalübertragung des Nervs.

Die folgenden Tests eignen sich vor allem dazu, Lähmungen und Kraftverluste festzustellen. Wenn mindestens einer dieser Tests positiv ausfällt und die o.g. Folgeerscheinungen bei dir auftreten, dann lass das bitte schnellstmöglich und am besten gestern von einem Arzt untersuchen! Eine vollständige Untersuchung kann nur von einem Arzt durchgeführt werden.

  1. Liegen radikuläre Schmerzen vor? (ausstrahlende Schmerzen), d.h. irgendwo ist der Nerv entzündet. Das kann z.B. durch austretendes Bandscheibenmaterial auftreten.

Mit den folgenden Tests können wir NICHT genau feststellen, welche Ursache eine Nervenreizung hervorruft, ABER wir können damit sehr gut testen, ob dein Nerv negativ auf Dehnung reagiert. Und wenn bei dir sowas auftritt, dann haben wir herausgefunden, welche Bewegungen zur optimalen Wundheilung zeitweise vermieden werden sollten. Somit sind wir wieder ein Stück näher an deinem individuellen Lösungsplan.  

Tests zur Feststellung von Radikulopathien

Test 5: Fersengang

Ausführung: Bei diesem Tests ziehst du deine Zehenspitzen zu den Schienbeinen und hebst die Fußballen vom Boden, sodass du nur noch auf den Fersen stehst und gehst ein paar Schritte vorwärts und rückwärts durch den Raum.

INFO: Das Testergebnis ist negativ, bzw. unauffällig, wenn du die Fußballen bei jedem Schritt ganz oben, nah am Schienbein halten kannst. Das Testergebnis wäre positiv, bzw. auffällig, wenn du nicht oder nur teilweise, bzw. mit leichtem Absinken der Fußballen zum Boden, die Schritte aufsetzt.

Test 6: Ballengang

Ausführung: Bei diesem Tests drückst du die Fersen nach oben, d.h. du stellst dich auf die Zehenspitzen, genauer gesagt auf die Fußballen und gehst im sogenannten Ballengang ein paar Schritte vorwärts und rückwärts durch den Raum.

INFO: Das Testergebnis ist negativ, bzw. unauffällig, wenn du die Fersen bei jedem Schritt ganz oben halten kannst. Das Testergebnis wäre positiv, bzw. auffällig, wenn du nicht oder nur teilweise, bzw. mit leichtem Absinken der Fersen zum Boden, entweder einseitig oder beidseitig, die Schritte aufsetzt.

Tests zur Feststellung von radikulären Schmerzen

Test 7: Straight Legraise Test

(*Für diesen Test benötigst du Hilfe von einem Partner.)

Ausführung: Du startest bei diesem Test in Rückenlage. Dein Partner nimmt dein Bein in beide Hände. Eine Hand ist in der Nähe der Ferse, unter der Wade, im Bereich der Achillessehne platziert. Die andere Hand ist kurz oberhalb des Knies auf dem Oberschenkel platziert. Dein Partner hebt nun das Bein in gestreckter Knieposition ganz langsam nach oben an, bis entweder eine Reaktion des Ischiasnervs auftritt (meist ein einschießender Schmerz, wie Reißen oder Ziehen), oder bis etwa ein Winkel von 60° bis 70° in der Hüfte erreicht wurde. Danach senkt dein Partner das Bein wieder vollständig zum Untergrund ab und dann wird die Seite gewechselt. Dein Partner schätzt dabei die Höhe, besser gesagt den erreichten Gelenkswinkel ein, bis eine mögliche Schmerzreaktion auftrat (wenn denn überhaupt eine auftreten sollte), oder die geforderten 70° Hüftgelenkswinkel schmerzfrei erreicht wurden..

INFO: Das Testergebnis ist positiv, sofern eine Schmerzreaktion im Bereich zwischen 0° und 60° Hüftgelenkswinkel auftritt. Dies ist der Bereich, wo normalerweise keine Beweglichkeitseinschränkungen zu erwarten sind. Ab 70° Hüftgelenkswinkel ist es vollkommen normal, dass es zu einer Dehnreaktion im Bein kommen kann. Das ist dann KEIN positives Testergebnis. Ein schmerzhaftes, positives Testergebnis kann wieder verändert werden, sodass die Bewegung deutlich besser funktioniert.

Testvarianten:

7.1 Straight Legraise in Rückenlage + Fuß anziehen (tendenziell stärkere Beschwerden)

7.2 Straight Legraise in Rückenlage + Kopf einrollen (tendenziell stärkere Beschwerden)

7.3 Straight Legraise in Rückenlage + Kopf einrollen + Fuß anziehen (tendenziell noch stärkere Beschwerden)

Test 8: Slump Test

Ausführung: Beim Slump Test startest du in sitzender Position. Nun machst du deinen Rücken von Kopf bis Gesäß komplett rund. Dein Fuß ist auf der Seite komplett entspannt. Anschließend versuchst du ein Bein im Kniegelenk zu strecken. Führe den Test anschließend nochmal zum Vergleich mit dem anderen Bein aus. 

INFO: Du kannst den Test positiv beeinflussen durch andere Fuß- / Kopfposition (Gaspedal drücken / Fuß anziehen, Kopf in den Nacken / einrollen, etc.). -> Das sind wichtige Erkenntnisse, wie du dich in späteren Übungen verhalten kannst. Wenn bei dir Test 7 / 8 positiv waren, dann ist es im Training also zu Beginn KEINE gute Idee, den hinteren Oberschenkel beispielsweise zu dehnen. -> Red Flag!

Testvarianten:

8.1 Slump Test + Nacken überstrecken

8.2 Slump Test + “Gaspedal drücken”

8.3 Slump Test + Fuß / Zehenspitzen zum Schienbein anziehen

Test 9: Femoralis Stretch Test in Bauchlage

(*Für diesen Test benötigst du Hilfe von einem Partner.)

Ausführung: Starte diesen Test in Bauchlage und ein Bein ist im Kniegelenk gebeugt. Dein Partner ist neben dir auf der Seite und greift mit einer Hand unter das Knie und mit der anderen Hand auf die Wirbelsäule im unteren Rücken, um den oberen Bereich der Lendenwirbelsäule zu fixieren. Dein Partner hebt nun das Bein in gestreckter Knieposition ganz langsam nach oben an und senkt es anschließend sanft wieder ab. Danach wird der Test nochmal auf der anderen Seite ausgeführt. 

INFO: Dieser Test dient zur Überprüfung eines möglichen Bandscheibenvorfalls und verbundener Symptome in der oberen LWS (L1/2). Führe den Test durch, wenn du ausstrahlende Schmerzen in den vorderen Oberschenkel hast. Das Testergebnis ist positiv, wenn mit abgehobenem Bein Schmerzen im Oberschenkel auftreten. Wenn bei dir Test 9 positiv war, dann ist es im Training also zu Beginn KEINE gute Idee, den vorderen Oberschenkel / Hüftbeuger beispielsweise zu dehnen. -> Red Flag!

Behalte dir stets Folgendes im Hinterkopf: Du kannst und musst nicht immer alles perfekt testen und auslotet. Aber es ist wichtig deine größten Baustellen zu identifizieren und die größten Red Flags herauszufinden. Wir brauchen deine individuell größten “Don’ts” und massivsten “No-Gos”, um zu wissen wie du am sichsersten trainieren kannst.

In der nächsten Lektion geht es weiter mit dem munteren Testen. Die Kraft- und Beweglichkeitstests stehen an.

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